Photovoltaik-Vorhangfassade der EWE-Arena Oldenburg

An der runden Glasfassade der EWE-Arena in Oldenburg bewegt sich eine über sechs Meter hohe Sonnenschutzkonstruktion entlang der südlichen Hallenhälfte. Das nachgeführte System verbindet Verschattung, Tageslichtnutzung und photovoltaische Energiegewinnung.

Bewegliche Glasfassade für die runde EWE-Arena

Die EWE-Arena in Oldenburg besitzt eine gebogene Glas-Vorhangfassade, vor der Colt eine bewegliche Photovoltaik-Sonnenschutzkonstruktion realisierte. Die besondere Herausforderung lag in der Geometrie des Gebäudes: Der Sonnenschutz sollte nicht starr an einer einzelnen Fassadenposition verbleiben, sondern dem Sonnenstand entlang der Rundung folgen.

Die Konstruktion bewegt sich deshalb über einen Weg von 160 Metern entlang der südlichen Hallenhälfte. In einem halbstündlichen Rhythmus wird sie schrittweise um jeweils 7,5 Grad weitergeführt. Auf diese Weise befindet sich die Verschattung jeweils in dem Fassadenbereich, der aktuell einer hohen direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist.

Das System übernimmt dabei mehrere Aufgaben. Die Photovoltaikmodule erzeugen elektrische Energie, während die bewegliche Fassadenebene den solaren Eintrag in das dahinterliegende Foyer begrenzt. Gleichzeitig bleibt die natürliche Belichtung des Innenraums erhalten. Die Nachführung verbindet damit die Anforderungen an eine ästhetisch integrierte Fassade, einen dynamischen Sonnenschutz und die Nutzung solarer Energie innerhalb einer gemeinsamen Konstruktion. Gesteuert wird die Bewegung durch das Colt Steuerungs- und Regelungssystem ICS4Link.

Projekt: EWE-Arena

Ort: Oldenburg, Deutschland

Gebäudetyp: Veranstaltungsarena

Anforderungsprofil: Ästhetische Fassadengestaltung, dynamischer Sonnenschutz, Tageslichtnutzung und solare Energiegewinnung

Lösung: Bewegliche Sonnenschutzkonstruktion aus Photovoltaikmodulen und Glas-Siebdruck-Elementen mit sonnenstandsabhängigem Nachführsystem

Photovoltaik-Schildkonstruktion aus 18 Segmenten

Das prägende Element der Glasfassade ist eine mehr als sechs Meter hohe und 40 Meter lange Schildkonstruktion. Trotz ihrer Größe erscheint sie als eigenständige Ebene vor der runden Fassade. Die Konstruktion besteht aus 18 Segmenten, an denen insgesamt 72 Photovoltaikmodule und 72 Glas-Siebdruck-Elemente befestigt sind.

Die Photovoltaikmodule sind zu größeren elektrischen Feldern, sogenannten Strings, zusammengeschaltet. Sie dienen nicht nur der Energieerzeugung, sondern bilden gemeinsam mit den bedruckten Glaselementen die wirksame Verschattungsebene vor dem Foyer. Durch die Kombination unterschiedlicher Elemente entsteht eine gegliederte Fassadenfläche, die technische und gestalterische Funktionen übernimmt.

Die Konstruktion musste so ausgelegt werden, dass sie der Gebäuderundung folgen kann. Anders als bei fest montierten Sonnenschutzsystemen verändert sich dadurch nicht nur der Winkel einzelner Lamellen oder Module. Hier wird ein großflächiger Teil der Vorhangfassade entlang des Gebäudes bewegt.

Für die Planung bedeutete dies, Tragkonstruktion, Bewegungsmechanik, Fassadenverlauf, photovoltaische Verkabelung und Steuerung als zusammenhängendes System zu betrachten. Die einzelnen Segmente mussten sowohl konstruktiv miteinander verbunden als auch für die wiederkehrende Nachführung geeignet sein.

Die Verschattung wandert mit der Sonne

Die Photovoltaik-Sonnenschutzkonstruktion bewegt sich entlang der südlichen Hälfte der Arena. Alle 30 Minuten wird ihre Position um 7,5 Grad verändert. Insgesamt steht dafür ein Bewegungsweg von 160 Metern zur Verfügung.

Damit wird der Sonnenschutz gezielt vor den Fassadenabschnitt gefahren, an dem die direkte Einstrahlung aktuell begrenzt werden soll. Gleichzeitig verbessert die Nachführung die Ausrichtung der Photovoltaikmodule zur Sonne. Die Steuerung und Regelung des Bewegungsablaufs übernimmt das Colt System ICS4Link.

Tageslicht, Blendschutz und Energiegewinnung im Foyer

Die bewegliche Vorhangfassade besitzt eine Doppelfunktion: Sie verschattet das hinter der Glasfassade liegende Foyer und nutzt gleichzeitig die auftreffende Sonnenstrahlung zur photovoltaischen Energiegewinnung. Durch die Nachführung konzentriert sich die Verschattung auf den Bereich, in dem sie abhängig vom Sonnenstand benötigt wird.

Für die Tageslichtplanung ist diese lokale Wirkung wesentlich. Eine dauerhaft geschlossene oder vollständig verschattete Südfassade würde den natürlichen Lichteinfall grundsätzlich begrenzen. Die bewegliche Konstruktion ermöglicht dagegen, nicht unmittelbar betroffene Fassadenbereiche weitgehend frei zu halten. So gelangt Tageslicht in das Foyer, während direkte Einstrahlung und Blendung im jeweils belasteten Bereich reduziert werden.

Die EWE-Arena zeigt damit eine besondere Form des dynamischen Sonnenschutzes. Nicht einzelne Bauteile werden lediglich gekippt oder gedreht, sondern eine großformatige Photovoltaikkonstruktion wird entlang einer gekrümmten Gebäudehülle verfahren. Die Bewegung, die elektrische Verschaltung und die Fassadengeometrie sind technisch aufeinander abgestimmt.

Für Architekten und Fassadenplaner verdeutlicht das Projekt, wie Photovoltaik als funktionaler Bestandteil einer Gebäudehülle eingesetzt werden kann. Die Module bilden keine separate Dachanlage, sondern übernehmen unmittelbar Aufgaben des Sonnenschutzes und der Fassadengestaltung.

FAQ

Wie funktioniert der dynamische Sonnenschutz der EWE-Arena?

Der Sonnenschutz besteht aus einer großformatigen Konstruktion mit Photovoltaikmodulen und Glas-Siebdruck-Elementen. Sie wird nicht an einer festen Position vor der Glasfassade betrieben, sondern entlang der Rundung des Gebäudes bewegt. Im Abstand von 30 Minuten fährt das System jeweils 7,5 Grad weiter. Dadurch folgt die Verschattung dem Sonnenstand entlang der südlichen Hallenhälfte. Die Bewegung wird durch das Colt Steuerungs- und Regelungssystem ICS4Link koordiniert.

Welche Funktionen erfüllt die Photovoltaik-Vorhangfassade?

Die Vorhangfassade verbindet dynamischen Sonnenschutz, Blendschutz, Tageslichtnutzung und photovoltaische Energiegewinnung. Die Photovoltaikmodule verschatten den jeweils stark bestrahlten Bereich des Foyers und erzeugen gleichzeitig elektrischen Strom. Da die Konstruktion mit dem Sonnenstand wandert, bleiben andere Bereiche der Glasfassade für den Tageslichteinfall offen. Zusätzlich prägt die mehr als sechs Meter hohe Konstruktion das äußere Erscheinungsbild der Arena.

Wie groß ist die bewegliche Fassadenkonstruktion?

Die schildartige Sonnenschutzkonstruktion ist mehr als sechs Meter hoch und rund 40 Meter lang. Sie besteht aus 18 Segmenten. Daran sind 72 Photovoltaikmodule sowie 72 Glas-Siebdruck-Elemente befestigt. Für die sonnenstandsabhängige Bewegung steht entlang der südlichen Hallenhälfte ein Weg von insgesamt 160 Metern zur Verfügung. Aufgrund dieser Abmessungen mussten Tragstruktur, Antrieb, Steuerung und elektrische Verbindung gemeinsam geplant werden.

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