

Sonnenschutz | Akustik mit Glaslamellen
Schallreflexion im Landtag Hannover
Für den sanierten Plenarsaal des Niedersächsischen Landtags fertigte und installierte Colt 128 innenliegende Glaslamellen. Die geneigten Elemente reflektieren den Schall zur Akustikdecke und reduzieren dadurch seine Wirkung im Raum.
Glaslamellen lenken den Schall zur Akustikdecke
Im Zuge der Sanierung des Niedersächsischen Landtags in Hannover erhielt Colt den Auftrag, innenliegende Schallreflexionslamellen für den Plenarsaal zu fertigen und zu installieren. Die konstruktive Grundlage stammt aus dem Bereich der Glaslamellen für Fassaden und Sonnenschutz. Im Landtag übernehmen die Elemente jedoch eine akustische Aufgabe.
Die Lamellen befinden sich vor einer Pfosten-Riegel-Konstruktion und sind um 25 Grad geneigt. Auftreffender Schall wird an den Glasflächen reflektiert und in Richtung der darüberliegenden Akustikdecke geführt. Dort kann die Schallenergie aufgenommen beziehungsweise weiter reduziert werden. Laut Projektbeschreibung erreicht der Aufbau eine Schalldämmwirkung von bis zu 53 dB RwP.
Die Lösung musste sich in die offene Architektur des Plenarsaals einfügen. Glas unterstützt dabei die gewünschte Transparenz des umgebauten Parlamentsgebäudes und tritt gegenüber geschlossenen Akustikelementen optisch zurück.
Gleichzeitig waren die großformatigen, horizontal gespannten Lamellen sicher zu befestigen. Neben der gewünschten Schalllenkung mussten daher auch Tragfähigkeit, Resttragfähigkeit und eine kontrollierte Positionierung der Elemente nachgewiesen werden. Colt verband die akustische Funktion mit einer konstruktiv geprüften Glaslösung für den Innenraum. (Colt)
Case History
Projekt: Sanierung des Niedersächsischen Landtags
Ort: Hannover, Niedersachsen, Deutschland
Gebäudetyp: Parlamentsgebäude mit Plenarsaal
Anforderung: Reduzierung der Schallwirkung im Plenarsaal
Lösung: Innenliegende, geneigte Glaslamellen zur gezielten Reflexion des Schalls an die Akustikdecke
Produkt: Glaslamellen

128 Lamellen aus Verbundsicherheitsglas
Das installierte System besteht aus 128 Glaslamellen in unterschiedlichen Längen. Jede Lamelle wurde aus Verbundsicherheitsglas gefertigt. Der Aufbau setzt sich aus zwei jeweils 10 Millimeter starken Scheiben aus teilvorgespanntem Weißglas und einer 1,52 Millimeter dicken PVB-Folie zusammen.
Die Verbundfolie hält die Glasschichten zusammen und unterstützt das Resttragverhalten im Schadensfall. Dieser Aspekt war aufgrund der horizontalen Anordnung der Elemente und ihrer Position im öffentlich genutzten Plenarsaal besonders relevant.
Jede Lamelle ist mit zweimal zwei Senkhaltern an einer Edelstahlspante befestigt. Die Halterung verteilt die Lasten auf definierte Befestigungspunkte und ermöglicht eine zurückhaltende Integration der Glasflächen in die Innenarchitektur.
Im regulären Betrieb sind die horizontal gespannten Lamellen in einer Stellung von 65 Grad fixiert. Über Rastbolzen lassen sie sich zusätzlich in zwei festgelegten Positionen justieren. Dadurch kann die Ausrichtung bei Montage, Kontrolle oder Anpassung der akustischen Wirkung verändert werden.
Die verschiedenen Lamellenlängen wurden auf die vorhandene Pfosten-Riegel-Konstruktion und die Geometrie des Plenarsaals abgestimmt. So entstand kein durchgehend identisches Bauteilraster, sondern eine objektspezifische Anordnung, die den baulichen Verlauf aufnimmt und gleichzeitig die vorgesehene Reflexionsrichtung einhält.
Geprüfte Glaskonstruktion
Tragfähigkeit und Resttragfähigkeit nachgewiesen
Für die Glaslamellen wurde eine Zustimmung im Einzelfall eingeholt. Grundlage war eine Prüfung durch die Technische Universität Dresden.
Im Rahmen des experimentellen Nachweises wurden sowohl die Tragfähigkeit als auch die Resttragfähigkeit der Konstruktion untersucht. Damit wurde bewertet, ob die Lamellen die vorgesehenen Lasten aufnehmen und wie sie sich bei einer Beschädigung verhalten.
Der Nachweis umfasste das Zusammenspiel aus Verbundsicherheitsglas, PVB-Folie, Senkhaltern und Edelstahlspanten. Die Prüfung bildete eine wesentliche Voraussetzung für den Einsatz der horizontal gespannten Glaselemente im öffentlich zugänglichen Plenarsaal.

Akustische Funktion in transparenter Architektur
Der Plenarsaal des Niedersächsischen Landtags ist für 160 Abgeordnete und 260 Besucher ausgelegt. Im Rahmen des dreijährigen Umbaus entwickelte das Architekturbüro blocher partners einen Neubau hinter der renovierten und denkmalgeschützten Fassade. Der Entwurf verbindet den historischen Bestand mit einer offenen und transparenten Innenarchitektur.
Die Glaslamellen unterstützen diesen gestalterischen Ansatz. Anders als massive Schallbarrieren erhalten sie Blickbeziehungen und Lichtdurchlass. Gleichzeitig erzeugen ihre geneigten Oberflächen die für das Akustikkonzept erforderliche Reflexion.
Die Anwendung zeigt, dass Lamellensysteme nicht ausschließlich für außenliegenden Sonnen- und Blendschutz eingesetzt werden müssen. Durch Materialwahl, Winkel und Positionierung können sie auch im Innenraum zusätzliche bauphysikalische Aufgaben übernehmen.
Im Plenarsaal ist die Stellung der Lamellen so gewählt, dass Schall nicht unkontrolliert zwischen den vertikalen Glasflächen des Raums reflektiert wird. Stattdessen wird er gezielt zur akustisch wirksamen Decke geführt. Die Schallreflexionslamellen und die Deckenflächen bilden dadurch ein zusammenhängendes Akustiksystem.
Für die Umsetzung mussten gestalterische, akustische und konstruktive Anforderungen gemeinsam betrachtet werden. Die Lamellengeometrie bestimmte die Reflexionsrichtung, während Glasaufbau und Befestigung die sichere Montage gewährleisten. Die Rastbolzen ermöglichen definierte Justierungen, ohne die grundsätzliche Ausrichtung des Systems zu verändern.
Glas als Funktionsbauteil
Lamellen verbinden Transparenz und Schalllenkung
Die teilvorgespannten Weißglasscheiben erhalten die visuelle Offenheit des Plenarsaals. Ihre geneigte Anordnung schafft zugleich eine wirksame Reflexionsfläche für den auftreffenden Schall.
Mit einer normalen Stellung von 65 Grad und einer Neigung von 25 Grad vor der Pfosten-Riegel-Fassade sind die Elemente auf die vorgesehene Schallrichtung abgestimmt.
Damit wird das Glas nicht nur als gestalterische Oberfläche eingesetzt. Es übernimmt eine definierte akustische Funktion und wird zum Bestandteil des bauphysikalischen Raumkonzepts.

FAQ
Welche Aufgabe übernehmen die Glaslamellen im Landtag Hannover?
Die 128 Glaslamellen reflektieren den im Plenarsaal entstehenden Schall gezielt in Richtung der Akustikdecke. Dort kann die Schallenergie weiter reduziert werden. Die geneigten Elemente verhindern damit, dass der Schall ausschließlich zwischen den harten Raumoberflächen reflektiert wird. Laut Projektbeschreibung erreicht die Konstruktion eine Schallminderung von bis zu 53 dB RwP.
Aus welchem Glas bestehen die Schallreflexionslamellen?
Die Lamellen bestehen aus Verbundsicherheitsglas. Der Glasaufbau umfasst zwei jeweils 10 Millimeter starke Scheiben aus teilvorgespanntem Weißglas und eine 1,52 Millimeter dicke PVB-Folie. Die Folie verbindet die beiden Glasschichten und trägt dazu bei, dass Bruchstücke im Schadensfall gebunden bleiben. Der Aufbau wurde für die horizontal gespannte Anwendung geprüft.
Wie sind die Glaslamellen befestigt?
Jede Lamelle ist mit zweimal zwei Senkhaltern an einer Edelstahlspante befestigt. Die Glasflächen werden somit an vier definierten Punkten gehalten. Die Konstruktion berücksichtigt sowohl das Eigengewicht der unterschiedlich langen Lamellen als auch die horizontale Einbaulage. Senkhalter und Spanten bleiben optisch zurückhaltend und unterstützen die transparente Wirkung des Systems.
Lassen sich die Lamellen verstellen?
Im regulären Betrieb sind die Glaslamellen in einer Stellung von 65 Grad fixiert. Zusätzlich verfügen sie über Rastbolzen, mit denen zwei definierte Positionen eingestellt werden können. Diese Justiermöglichkeit erlaubt eine kontrollierte Anpassung der Ausrichtung. Eine kontinuierliche motorische Verstellung oder automatische Nachführung ist für das Projekt nicht beschrieben.
Warum war eine Zustimmung im Einzelfall erforderlich?
Die horizontal gespannten Glaslamellen bildeten eine projektspezifische Konstruktion, für die ein gesonderter Nachweis erforderlich war. Im Rahmen der Zustimmung im Einzelfall untersuchte die Technische Universität Dresden die Tragfähigkeit und die Resttragfähigkeit. Damit wurde bewertet, ob die Konstruktion im vorgesehenen Einbauzustand sicher verwendet werden kann.
Können Glaslamellen auch andere Funktionen übernehmen?
Glaslamellen können abhängig von Glasart, Bedruckung, Folie, Ausrichtung und Steuerung unter anderem für Sonnenschutz, Blendschutz oder Lichtlenkung eingesetzt werden. Auch die Integration photovoltaischer Technik ist grundsätzlich möglich. Beim Niedersächsischen Landtag steht jedoch ausschließlich die gezielte Schallreflexion im Innenraum im Mittelpunkt.
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